Man sieht den großen Kirchraum von St. Pauli, und aus der Sicht von hinten  die Synodalen, die stehen. Davor nach vorne gerichtet ein PC Bildschirm mit dem Livestream des Podiums vorne mit dem Synodalvorstand.
Lippische Landessynode: Tagung am Freitag, 12. Juni, in St. Pauli, Lemgo.

An der Menschenwürde festhalten!

Erklärung der Lippischen Landessynode zur Flüchtlingspolitik

Kreis Lippe/Lemgo. Die Lippische Landessynode hat auf ihrer Tagung am Freitag, 12. Juni, in Lemgo eine Erklärung zur Flüchtlingspolitik beschlossen. Damit setzt sie genau an dem Tag, an dem das neue europäische Asylsystem (GEAS) mit neuen restriktiven Regelungen in Kraft tritt, einen deutlich anderen Akzent.

Die Synode betont, dass alle Menschen als Gottes Ebenbilder geschaffen wurden und dass sich Jesus Christus insbesondere mit schutz- und hilfebedürftigen sowie mit den entrechteten Menschen dieser Welt identifiziert hat. Auf dieser Basis bekräftigt die Synode „die unbedingte Orientierung an der Würde des Menschen und den Menschenrechten insgesamt, auch in Fragen von Flucht und Migration“.

„Darum“, so die Erklärung der Landessynode weiter, 

  • „halten wir daran fest, dass es rechtmäßig ist, „in anderen Ländern vor Verfolgung Asyl zu suchen“ (Art 14 Allgemeine Erklärung der Menschenrechte). Wir kritisieren, wenn durch die irreführende Verwendung des Begriffs „illegale Migration“ Flucht kriminalisiert wird.
     
  • bekräftigen wir: Das Recht auf Asyl muss in Deutschland und in Europa gewahrt werden. Mit großer Sorge sehen wir, dass der Flüchtlingsschutz durch verschiedene Gesetzesvorhaben und administrative Maßnahmen immer weiter ausgehöhlt wird.
     
  • erklären wir: Bei der Umsetzung der Reformen zum Gemeinsamen Europäischen Asylsystem (GEAS) müssen die humanitären Spielräume genutzt werden. Eine Auslagerung von Asylverfahren in Drittländer darf es nicht geben.
     
  • fordern wir die Wiederaufnahme von humanitären Aufnahmeprogrammen, die gerade besonders schutzbedürftigen Personengruppen helfen können.
     
  • stellen wir fest, dass dem grundgesetzlich verankerten Schutz der Familie besondere Beachtung zu schenken ist. Die Bedarfe von Frauen und besonders schutzbedürftigen Personen müssen in allen Teilen des Asylverfahrens berücksichtigt werden.
     
  • kritisieren wir illegale Pushbacks an den Außengrenzen der EU sowie Zurückweisungen von Schutzsuchenden auch an den Binnengrenzen. Die Menschenrechte müssen auch dort geschützt werden, eine staatliche oder überstaatliche Seenotrettung auf dem Mittelmeer muss aufgebaut werden.
     
  • fordern wir die auskömmliche staatliche Unterstützung der Kommunen bei der Aufnahme von Geflüchteten und eine ausreichende Förderung der Beratung und Begleitung von Geflüchteten durch diakonische und andere zivilgesellschaftliche Organisationen.
     
  • danken wir allen Haupt- und Ehrenamtlichen in Kirchen, diakonischen Einrichtungen und der Zivilgesellschaft für ihren Einsatz für geflüchtete Menschen. Wir ermutigen und unterstützen dabei Kirchengemeinden, weiterhin in humanitären Notsituationen Kirchenasyl zu gewähren.
     
  • erinnern wir daran, dass die politischen und wirtschaftlichen Ursachen von Flucht und Vertreibung gerade auch durch international gerechte Teilhabe an der Wertschöpfung bekämpft werden müssen. Eine Kürzung von Mitteln der Entwicklungszusammenarbeit ist demgegenüber gerade besonders schädlich.
     
  • setzen wir uns für Klimagerechtigkeit ein, auch um Fluchtursachen zu bekämpfen.
     
  • stellen wir uns vor Menschen, die aufgrund ihrer eigenen Fluchtgeschichte oder ihres Engagements für Geflüchtete angefeindet werden.
     
  • bleibt unsere Unterstützung nicht bei Worten stehen. Wir setzen uns aktiv für Geflüchtete ein – als Menschen mit derselben Würde und auch als Mitglieder unserer kirchlichen Gemeinschaft.“

 

Infos zur Lippischen Landeskirche:

Höchstes Leitungsgremium der Landeskirche ist die Lippische Landessynode mit 59 Synodalen. Sie tagt in der Regel zweimal im Jahr. Zwischen den Synodentagungen leitet der Landeskirchenrat mit seinen sieben Mitgliedern die Landeskirche. Hier hat der Landessuperintendent den Vorsitz. (Vakanz-Vertretung: der Präses der Landessynode, Pfarrer Michael Keil).

Rund 125.000 Gemeindeglieder
65 reformierte und lutherische Gemeinden (54 ref., 10 luth., 1 ev.*)
4 reformierte und 1 lutherische Klasse
59 Synodale


*  Lockhausen-Ahmsen ist eine evangelische Kirchengemeinde mit Mitgliedschaft in der reformierten Klasse West und in der Lutherischen Klasse.

Von den Kirchensteuereinnahmen (geschätztes Kirchensteueraufkommen für 2026: 32,5 Millionen Euro) behält die Landeskirche 32 Prozent zur Finanzierung ihrer Aufgaben (zum Beispiel Tageseinrichtungen für Kinder, Funktionspfarrer, Jugendarbeit, Bildungsarbeit, Diakonie, Ev. Beratungszentrum).

30 Prozent fließen in den Gemeindepfarrstellen-Haushalt.

38 Prozent werden an die einzelnen 65 Kirchengemeinden nach einem bestimmten Verteilerschlüssel weitergeleitet.
Neben den Ausgaben für kirchengemeindlichen Aufgaben, der Bauunterhaltung, Betriebskosten usw. werden aus diesem Anteil unter anderem die Küsterinnen, Gemeindesekretäre, Kirchenmusikerinnen finanziert.

 

Weitere Infos u.a. zu Struktur und Finanzen:

www.lippische-landeskirche.de/transparenz