Sinnlicher Segen: Pfarrerin Brigitte Fenner im Gespräch mit der Künstlerin Doris Lemberg-Hinsenhofen und dem Theologen Tobias Treseler (von links).

Meditativer Abendgottesdienst

Sinnlicher Segen: Wenn der Körper zum Ort des Segens wird

Lage-Heiden. Kann man Haut segnen? Haare, Augen, Ohren oder den Mund? Was zunächst ungewöhnlich klingt, stand im Mittelpunkt eines meditativen Abendgottesdienstes in der evangelisch-reformierten Dorfkirche Heiden.

Dabei wurde die Ausstellung „Sinnlicher Segen“ mit fünf poetischen Texten des Theologen Tobias Treseler und fünf Bildarbeiten der Detmolder Künstlerin Doris Lemberg-Hinsenhofen im Altarraum eröffnet. Torsten Schmidt gab dem Gottesdienst die musikalische Note.

„In meditativen Gottesdiensten begegnen wir Gott in der Stille mit allen Sinnen“, begrüßte Pfarrerin Brigitte Fenner die Gäste. Meditative Impulse luden ein, über die Bedeutung von Segen im eigenen Leben nachzudenken: Wie fühlt es sich an, gesegnet zu werden, durch wen erfahren Menschen Segen und wie können sie selbst zum Segen für andere werden?

Die Ausstellung rückt den menschlichen Körper in den Mittelpunkt. In seinen fünf Segenstexten widmet sich Treseler den Lippen, Augen, Haaren, der Haut und den Ohren. Es geht um Atem und Berührung, um Blicke und Stimmen, um Verletzlichkeit, Veränderung und Vergänglichkeit.

Im Gespräch mit Brigitte Fenner erläuterte Treseler, was ihn zu den Texten inspiriert hat. Vor einigen Jahren habe er sich mit dem Auftreten von Menschen in sozialen Medien beschäftigt, in denen ein Ideal von makelloser Haut, durchtrainierten Körpern und perfektem Styling propagiert werde. „Meine Segenstexte sind hingegen geschrieben für den alltäglichen Körper mit all seinen Macken und Alterungserscheinungen, der nicht dem Idealbild entspricht“, erklärte der Theologe. Der Körper mit seinen Spuren des Lebens, seinen Verletzungen und Schrammen verdiene Zuwendung und Segen – in jedem Alter.

Die Detmolder Künstlerin Doris Lemberg-Hinsenhofen hat die Texte in fünf Arbeiten im Format von jeweils 50 mal 50 Zentimetern aufgenommen. Dabei ging es ihr nicht darum, die Worte einfach bildlich darzustellen. Vielmehr suchte sie nach Farben, Materialien und Oberflächen, die den Gefühlen und Gedanken der Texte entsprechen. Haare, Salz, Seide und andere Naturmaterialien verweisen auf Wachstum, Vergänglichkeit, Nähe und Körperlichkeit. „Die Wucht der Texte hat mich bei den Bildern inspiriert“, berichtete die Künstlerin. Ihre Arbeiten leben von Schichtungen, die etwas verdecken oder freilegen. Raue Strukturen und tiefe Furchen setzen einen bewussten Kontrast zu glattgebügelten Hochglanzbildern idealisierter Körper.

Pfarrerin Fenner lobte die poetische Sprache der Segenstexte. Im Zusammenspiel von Wort und Bild entstehe eine sensible Annäherung an die Frage, was Menschen trägt und ihnen Wertschätzung vermittelt. Die Ausstellung macht deutlich: Segen muss nicht in einer fernen religiösen Sphäre bleiben. Er kann dort erfahrbar werden, wo Menschen ihren Körper wahrnehmen, Berührung zulassen und sich mit ihren Stärken und Schwächen angenommen wissen.

Die Ausstellung ist noch bis zum 30. Oktober in der Dorfkirche Heiden zu sehen. Die Kirche ist täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

 

19.10.2026