Orgelsommer in Schieder mit einem seit 50 Jahren perfekt eingespielten Duo. Susanne Kirchhoff und Susanne Stiewe spielen Orgel zu vier Händen (von links).

Mit vier Händen und Füßen

Lippischer Orgelsommer zu Gast in Schieder

Schieder-Schwalenberg. Mit vier Händen und vier Füßen haben Susanne Stiewe und Susanne Kirchhoff beim dritten Konzert des 18. Lippischen Orgelsommers in der evangelisch-reformierten Kirche Schieder begeistert.

Rund 100 Besucher erlebten nach gemütlichem Kaffeetrinken mit selbst gebackenen Torten ein abwechslungsreiches Konzert. Beide Organistinnen teilen sich nicht nur den Vornamen, sondern feiern ihr 50-jähriges Dienstjubiläum. Seit einem halben Jahrhundert teilen sie sich den Orgeldienst in der evangelisch-reformierten Kirche in Schwalenberg.

Den festlichen Auftakt bildete Charles Gounods „Marche Pontificale“, den die Organistinnen vierhändig eindrucksvoll interpretierten. Die Sonate C-Dur von Johann Baptist Vanhal brachte die warmen Klangfarben der Walcker-Orgel von 1968 mit ihren 20 Registern und zwei Manualen eindrucksvoll zur Geltung.

Die barocke Sonate C-Dur von Anton Höffner, ursprünglich um 1700 für zwei Trompeten und Orchester komponiert, ließ Kuckucksrufe, schnarrende Registerfarben und Echoeffekte erklingen. Romantische Klangfülle entfaltete die Fantasie d-Moll op. 87 von Adolph Friedrich Hesse, in der sich Polyphonie mit Dramatik verbanden.

Einen reizvollen Kontrast setzte Karl-Peter Chillas modernes Werk „Rock Pop IV“, das die Orgel mit schwungvollen Rhythmen tanzen ließ. Zum Ende erklang John Philip Sousas beschwingter Marsch „The Washington Post“. Für den großen Applaus bedankte sich das Duo mit der Wiederholung des modernen Pop-Rock-Stücks.

Pfarrerin Claudia Ostarek ergänzte das Programm mit passenden Gedichtlesungen. Die Besucher sangen zwei Kirchenlieder mit. Einen besonderen Akzent setzte Robert Schumanns Geburtstagsmarsch op. 85 Nr. 1, der anlässlich des 75-jährigen Bestehens der Kirchengemeinde Schieder erklang.

Kai Pankoke, Vorsitzender des Kirchenvorstandes, erinnerte an die Geschichte der Gemeinde. Im März 1951 stimmte die Landessynode der Gründung einer eigenständigen Kirchengemeinde zu. Die heutige Kirche entstand zwischen 1953 und 1955 nach Plänen des Architekten Karl Schneider als Ersatz für den im Zweiten Weltkrieg beschädigten Vorgängerbau. Der Neubau verbindet traditionelle Bauformen mit der klaren Architektursprache der 1950er-Jahre. Charakteristisch sind das weit auskragende Vordach, die großzügigen Fensterflächen und die für die Nachkriegszeit ungewöhnliche Größe des Gebäudes, die dem starken Bevölkerungswachstum durch Flucht und Vertreibung Rechnung trug. Erst im vergangenen Jahr wurde der Kirchturm mit seinem Geläut umfassend saniert.

Pfarrerin Ostarek erläuterte das große Altarrelief. Das 1989 vom Gevelsberger Künstler Leo Janischowski geschaffene Werk aus 52 Stuckgipsplatten integriert das zuvor vorhandene leuchtende Kreuz. Um dieses gruppieren sich die Symbole der vier Evangelisten: Engel (Matthäus), Löwe (Markus), Stier (Lukas) und Adler (Johannes). Abendmahltisch und Taufbecken, die vom gleichen Künstler erschaffen wurden, bilden mit dem Relief eine künstlerische Einheit. Unter der Überschrift „Ich bin“, die an den Gottesnamen erinnert, zeigt das Werk ein Fischernetz als Sinnbild einer Kirche, die gut vernetzt ist, Menschen verbindet und aufbricht, die frohe Botschaft des Evangeliums zu verkünden.